Tonotopietraining

für ein absolutes Hören

Unser Gehör

Unser Gehör besteht aus vielen Stufen der Signalverarbeitung. Es ist ein weiter Weg vom Trommelfell bis zum bewußten Verstehen von Wörtern, Musik oder Geräuschen.

Für einige Stufen auf diesem Weg gibt es schon lange Hilfsmittel um den Schall besser wahrnehmen zu können. Da gibt es z.B. die alten Hörrohre, in ihrer modernen Form die Hörgeräte. Sie setzen auf der mechanischen Ebene an, verstärken den Schall und bringen so die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboß und Steigbügel) dazu sich wieder zu bewegen.

Ist das Signal im Innenohr angekommen, so befindet es sich in der Gehörschnecke, der Cochlea. Dort befindet sich eine Flüssigkeit, die in Schwingung gerät, wenn die Gehörknöchelchen sich bewegen. An der Innenwand der Schnecke liegen die Nervenzellen, die über die Nervenleitung das Signal an unser Gehirn weiterleiten. In der Schnecke ragen die Nervenzellen mit kleinen Härchen in die schwingende Flüssigkeit hinein. Sie werden von den Schwingungen der Flüssigkeit hin- und her gebogen. Dadurch erzeugen die Härchen ein elektrisches Signal, welches über die Nerven in der Hörbahn in unser Gehirn gelangt. Wenn nun in dieser Umschaltstelle unseres Gehörs etwas nicht mehr funktioniert, so gibt es dafür seit dem Jahr 1978 sogenannte Cochlea-Implantate, die dann seit etwa 1990 routinemäßig eingesetzt werden.

Tonotopie

Die letzte Schaltstelle, bevor unser Bewußtsein uns zu verstehen gibt was wir gerade hören, ist eine kleine Region in unserem Gehirn: die Hörrinde, genauer der primäre auditorische Kortex. Vereinfacht gesagt, docken hier die Nervenleitungen an die Neurone (Nervenzellen) des Gehirns an. Das Besondere (und vielleicht Überraschende) ist dabei, dass das Signal, seit es von den Härchen der Nerven in der Schnecke aufgenommen wurde, in seine Frequenzen zerlegt wurde, aus der der gehörte Schall besteht und auch als getrennte Frequenzen von verschiedenen Nerven der Nervenbahn transportiert wurde. Daher ist auch der primäre auditorische Kortex noch immer nach Frequenzen getrennt aufgebaut und einzelne Gruppen von Neuronen verarbeiten einzelne Frequenzen. Diese Anordnung in unserem Gehirn wird als Tonotopie bezeichnet. Sie lässt sich vielleicht vorstellen, wie die Anordnung der Tasten eines Klaviers.

An dieser Schaltstelle setzt nun das Tonotopietraining ein, dass wir Ihnen hier vorstellen möchten. Damit das Tonotopietraining funktionieren kann benötigt unser Gehirn aber noch eine Eigenschaft: Die Plastizität.

Plastizität unseres Gehirns

Unser Gehirn ist unser Leben lang im Umbruch und muss auf Veränderungen reagieren. So können viele körperlich beeinträchtigte Menschen ihre Beeinträchtigungen ausgleichen. Zum Beispiel können Blinde ihre Umgebung auch mit ihrem Gehör wahrnehmen und durch leise Echos und Schallreflexionen hören, wo sich Hindernisse befinden. Ihr Tastsinn ist ebenfalls viel feiner ausgeprägt als bei den meisten normalsichtigen Menschen. Diese Leistungen werden alle durch unsere Gehirn erbracht. Um das zu bewerkstelligen werden in den Gehirnregionen neue und viel mehr Verbindungen zwischen den Neuronen geknüpft. Zum Teil werden Neurone aus benachbarten Regionen hinzugezogen um die Aufgaben besser zu bewältigen und sogar neue Neurone können gebildet werden.

Was da in unserem Gehirn passiert wenn wir vor neue Aufgaben gestellt werden ist einfach Lernen! Und um zu lernen müssen wir aktiv werden und trainieren, üben und wiederholen. 

Literatur

Reorganization of auditory cortex in Tinnitus. W.Mühlnickel, T.Elbert, E.Taub and H.Flor, PNAS Vol.95 pp. 10340-10343, Aug.1998

Cortical Reorganisation during a 30-Week Tinnitus Treatment Program. C.M.McMahon, R.K.Ibrahim, A.Mathur, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0148828, Feb. 22, 2016